14. - 16. September 2012

Als Rahmenprogramm dieses Treffens besichtigten wir das Autobahndreieck Schwanebeck sowie das Schiffshebewerk Niederfinow, ein imposantes Bauwerk an der Wasserstraße Oder-Havel-Kanal.

Das Autobahndreieck Schwanebeck befindet sich am nordöstlichen Berliner Ring (A 10) und bindet die A 11 nach Prenzlau und weiter nach Stettin an. Am Dreieck beginnt die Kilometrierung des Berliner Rings. Das Dreieck wurde zusammen mit den ersten vier Kilometern der heutigen A 11 (damals Strecke 54) von der Obersten Bauleitung Berlin als 'Stettiner Abzweig' errichtet. Der Auftrag zum Bau wurde im April 1935 erteilt, worauf am 6. Juni die Erdarbeiten begannen. Am 12. November 1935 wurde mit dem Bau der Fahrbahndecken begonnen und bereits im März 1936 waren sie weitestgehend fertiggestellt.
Weitere Bezeichnungen des Knotenpunktes im Verlaufe seines Bestehens waren 'Abzweig Prenzlau', 'Penkuner Abzweig' und 'Stettiner Dreieck'. Zwischen 1951 und 1973 wurden auf dem Dreieck sogar Auto- und Motorradrennen ausgetragen; Die als „Bernauer Schleife“ bekannte Rennstrecke war knapp sechs Kilometer lang. Im Jahr 1990 wurde die Steilkurve der Rennstrecke schließlich abgerissen.
Das Autobahndreieck Schwanebeck wird im Zuge des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 11 bis voraussichtlich Ende 2013 unter laufendem Betrieb um- und ausgebaut. Hierbei wird es wegen der Einbindung der Bundesstraße 2 zu einem Autobahnkreuz umgestaltet und in 'Dreieck Barnim' umbenannt. Der erste Spatenstich für den Umbau fand am 5. Mai 2011 statt.

Das Schiffshebewerk Niederfinow ist das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands. Es liegt östlich von Eberswalde bei Niederfinow und überwindet den Höhenunterschied von 36 Metern zur Oderniederung am östlichen Ende der Scheitelhaltung der Havel-Oder-Wasserstraße.
Die preußische Regierung beschloss 1905 den Bau des „Großschifffahrtsweges Berlin–Stettin“, der im September 1906 mit dem ersten Spatenstich begann. Im Oktober 1908 war der Baubeginn einer Schleusentreppe mit 4 baugleichen Kammerschleusen, die Inbetriebnahme erfolgte 1912. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die alten Planungen für ein Hebewerk mit an Drahtseilen hängenden Gegengewichten wieder aufgenommen. Dieses Prinzip ermöglicht, dass lediglich für Reibungsverluste beim Heben bzw. Senken Betriebsenergie aufgewendet werden muss. Durch Aufteilung des Troggewichtes auf eine große Anzahl von Drahtseilen, Seilscheiben, Lager und Gegengewichte konnte selbst bei Ausfall mehrerer Teile eine sehr hohe Betriebssicherheit erreicht werden. Der Bau begann 1927, am 21. März 1934 wurde das Schiffshebewerk seiner Bestimmung übergeben.
1997 wurde der Neubau des größeren Neuen Schiffshebewerks Niederfinow beschlossen. Im Herbst 2006 begannen die Erdarbeiten zwischen dem heutigen Hebewerk und der ehemaligen Schleusentreppe. Die Hochbauarbeiten erfolgen seit dem Sommer 2008, die Fertigstellung ist für 2015 geplant. Der Trog wird 115 Meter lang, 12,50 Meter breit und vier Meter tief und gefüllt wiegt er 9.800 Tonnen; Dadurch können moderne Großmotorgüterschiffe und Dreier-Schubverbände durchfahren. Das alte Hebewerk soll aber noch einige Jahre in Betrieb bleiben.

Unser Treffen hatte bereits am Abend des 14. Septembers mit einem Vortrag des Präsidenten des Landesbetriebs Straßenwesen Brandenburg, Herrn Dipl.-Ing. Hans-Reinhard Reuter begonnen. In sehr lebhafter Weise erläuterte er die Struktur und die vielfältigen Aufgaben des Landesbetriebs, eines Teils des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL). In seinem Bereich befinden sich etwa 800 km Autobahnen, 2.700 km Bundesstraßen und 5.700 km Landesstraßen. Zur Aufgabe „Neu-, Umbau und Erhaltung von Straßen (Planung und Bau)“ gehören u.a. der Bau von Brücken für Straßen, Fußgänger und Wildtiere (Grünbrücken), Ortsumgehungen, Lärmschutzwänden, Radwegen und der Umbau von Autobahndreiecken.

Am 15. September brachte uns ein Reisebus zunächst zum Autobahndreieck Schwanebeck. Unser Vereinsmitglied Dipl.-Ing. Werner Buhl erläuterte die Baumaßnahme und bewährte sich auf der anschließenden Fahrt zum Schiffshebewerk als hervorragender Reiseführer. Seine Ausführungen begeisterten uns immer wieder.
Der Umbau des Dreiecks ist schon weit vorangekommen, wir bekamen vom Bus aus einen guten Überblick über die Maßnahmen. Erster Halt war an der umgebauten „Bärenbrücke“, die verdoppelt wurde. Damit wurde der Erhalt der letzten „Torbrücke“ vor dem Berliner Ring gesichert. Pommerscher Greif und Berliner Bären wurden an den Widerlagern der Brücken wieder angebracht. Das war beim bisherigen Umbau der Dreiecke des Berliner Rings leider nicht der Fall gewesen. Umso begeisterter waren wir von der hier gefundenen Lösung und nahmen Aufstellung zum üblichen Gruppenfoto. Zweiter Halt war an der Brücke, die das neue Dreieck Barnim eigentlich zum Autobahnkreuz macht und die verlegte B 2 anschließt. Etliche von uns nutzten die Gelegenheit und besichtigten diesen kurz vor der Betonierung stehenden Bau gründlich.

Anschließend ging die Fahrt weiter zum Schiffshebewerk Niederfinow. Nach dem Mittagessen erwartete uns Herr Helmut Kluge. Er führte uns zunächst ins 2009 errichtete Informationszentrum. Anhand der dortigen Ausstellungsobjekte erklärte er die Bedeutung dieses Schiffshebewerks im Netz der Wasserstraßen von West- bis Osteuropa und gab einen geschichtlichen und technischen Überblick. Altes und neues Hebewerk arbeiten nach demselben bewährten, bereits oben erwähnten Prinzip; Das neue wird jetzt allerdings in Stahlbeton errichtet. Dann machten wir uns auf den Weg zur oberen Haltung des alten Hebewerks. Aus einer Höhe von 36 Metern überblickt man die gesamte Anlage und kann auch einen guten Blick auf die Neubaustelle werfen.

Die Rückfahrt führte uns quer durchs märkische Land. In Rüdersdorf ermöglichten Herr Buhl und der sehr nette Busfahrer, einen Blick auf die erneuerten Großbrücken der A 10 – Kalkgraben- und Mühlenfließbrücke – zu werfen und nahe des östlichen Widerlagers der Mühlenfließbrücke einen letzten Halt zu machen. Hier besuchten wir (wie schon 2001) ein technisches Denkmal: ein ausgebautes und aufgeständertes Brückensegment der Vorgängerbrücke. Da zu diesem Denkmal kaum interessierte Besucher gelangen und Vandalismusschäden zu beklagen sind, wird erwogen, das Denkmal an einen sicheren Ort umzusetzen. Angedacht ist die Autobahnmeisterei Erkner, in welcher sich auch die „Autobahngeschichtliche Sammlung“ befindet.

Wenige Minuten später war unsere Fahrt in Erkner zu Ende, wieder einmal ohne störenden Regen!
Allen bei der Organisation des Treffens Beteiligten sagen wir hiermit unseren herzlichen Dank!

Dr. Wolfgang Seele, Mannheim

 

Autobahngeschichte Bundesautobahn A10 Berliner Ring 3374

Unser "Chef" wartet bis alle eingestiegen sind

Autobahngeschichte Autobahngeschichte Brenbrcke pommersche Greif Autobahn Berlin Stettin 3229

Der Landesbetrieb als Freund und Helfer

Autobahngeschichte Brenbrcke pommersche Greif Autobahn Berlin Stettin

Unter dem Wappen des pommerschen Greif

 

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